Lebensmittel & Getränke

Temperaturgeführte Lagerautomatisierung in der Lebensmittel- und Getränkelogistik

Illustratives Szenario auf Basis realer Implementierungsmuster. Kein konkretes Unternehmensbeispiel.

Lagerprofil

Lagerfläche
8.000 m², temperaturgeführt (2–8 °C)
Artikelanzahl (SKU)
8.000 Frisch- und Kühlproduktlinien
Durchsatz
400–600 Paletten pro Tag
Installationsart
Brownfield-Erweiterung

Ausgangssituation

Die Frischproduktdistribution erfordert strikte FEFO-Disziplin bei kurzlebigem Sortiment. Manuelle Kommissionierung in Kältezonen reduziert die Mitarbeiterproduktivität gegenüber Umgebungstemperatur um 30–40 % und schafft arbeitsmedizinische Risiken. Hoher Umschlag kurzlebiger Produkte erzeugt ständigen Prioritätsdruck, den manuelle Prozesse nicht zuverlässig bewältigen können.

Automatisierungsansatz

Automatisierte Lagerung mit im WMS integrierter FEFO-Durchsetzung eliminiert manuelle Datumskontrollen. Ware-zur-Person-Kommissionierstationen werden an Zonenübergängen positioniert, um die Kältezonebelastung für Mitarbeitende zu minimieren – Kommissionierung erfolgt bei Umgebungstemperatur, Roboter übernehmen die Entnahme aus der Kältezone. Hochgeschwindigkeitseinlagerung und -auslagerung maximiert den Durchsatz innerhalb des kurzen Betriebsfensters vor dem Warenausgang.

Erwartete Ergebnisse

  • FEFO-Konformität auf Systemebene erzwungen – keine manuelle Datumskontrolle erforderlich
  • Kältezonebelastung für Mitarbeitende um 40–60 % reduziert
  • 25–35 % Durchsatzsteigerung im Kühlbetrieb
  • Schwundreduzierung durch präzise, systemdurchgesetzte Bestandsrotation

Eignungsbewertung

Installationsart
Brownfield-Erweiterung des bestehenden Kühlhauses
WMS-Anforderung
Zwingend – FEFO- und Chargenrückverfolgungsintegration erforderlich
Budgetrahmen
EUR 1,2–3 Mio. (kältegerätespezifischer Aufschlag: 15–25 %)
Amortisationszeit
3–5 Jahre
Wesentliche Einschränkung
Geräte müssen für die Betriebstemperatur ausgelegt sein

Anzufragende Anbietertypen

Swisslog (kältegerätespezifische Systeme), KNAPP, AutoStore (Kältevariante).

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Häufige Fragen

Können Standard-ASRS-Geräte in Kühlhausumgebungen betrieben werden?

Standard-ASRS-Geräte sind nicht für den Kühlhausbetrieb ausgelegt. Kältegerätevarianten verwenden Edelstahlkomponenten, versiegelte Elektronik und für dauerhaft niedrige Temperaturen geeignete Schmiermittel. Mehrere Anbieter bieten kältegerätespezifische ASRS-Systeme an, darunter AutoStore (in einigen Konfigurationen bis -30 °C) und Swisslog. Kältegerätesysteme kosten typischerweise 15–25 % mehr als Standardgeräte.

Welchen arbeitsmedizinischen Nutzen hat die Automatisierung der Kühlhauskommissionierung?

Dauerhafter Aufenthalt in 0–8 °C-Umgebungen unterliegt in den meisten europäischen Ländern Expositionsgrenzwerten. Kälteexposition erhöht das Muskel-Skelett-Verletzungsrisiko und vermindert die Feinmotorik. Automatisierte Ware-zur-Person-Systeme reduzieren die Zeit, die Mitarbeitende in der Kältezone verbringen. Viele Installationen verlegen die Kommissionierstation in einen Umgebungsbereich an der Kühlraumgrenze.

Hinweise zur Vorbereitung

  • Das WMS muss FEFO-Durchsetzung und Chargenrückverfolgung auf Losebene unterstützen. Diese Fähigkeit vor der Beschaffung bestätigen.
  • Das Kühlhaus muss sich in einem selbst genutzten oder langfristig gemieteten Gebäude befinden. Automatisierungsinvestments eignen sich nicht für Kurzzeitmieten.
  • Arbeitsmedizinische Basisdaten zur Kältezonebelastung der Mitarbeitenden sollten vor Anbietergesprächen dokumentiert werden. Dies stärkt den Business Case.

Leitfragen an Anbieter

  • QFür welchen Temperaturbereich ist Ihr kältegerätespezifisches ASRS zertifiziert?
  • QWie werden FEFO und Chargenrückverfolgung auf Lagereinheitenebene erzwungen, nicht nur auf WMS-Ebene?
  • QWie werden Kommissionierstationsgrenzen konfiguriert, um die Kältezonezeit für Mitarbeitende zu minimieren?
  • QWelchen Wartungsintervall sehen die kältegerätespezifischen Mechanikkomponenten vor und wie wird Stillstandzeit gemanagt?

Zu validierende Annahmen

  • Aktuelle Kältezone-Arbeitsstunden je Mitarbeitendem und arbeitsmedizinische Expositionsmetriken.
  • FEFO-Nichtkonformitätsrate und -kosten. Verluste durch FEFO-Verstöße rechtfertigen einen erheblichen Anteil der Investition.
  • Kältegerätespezifischer Aufschlag gegenüber Standard-ASRS. Typischerweise 15–25 %. Mit mindestens zwei Anbietern bestätigen.
  • Betriebsfensterdauer für kurzlebige Produkte und ob das ASRS das erforderliche Volumen innerhalb dieses Fensters bewältigen kann.

Wann besser abwarten?

  • Kühlhaus befindet sich in einem kurzfristig gemieteten Gebäude. Automatisierungsinvestments erfordern eine langfristige Gebäudebindung.
  • WMS unterstützt keine FEFO-Durchsetzung oder Chargenrückverfolgung. Dies muss zuerst gelöst werden.
  • Produktmix wird innerhalb von 12 Monaten wesentliche Änderungen erfahren. Erst stabilisieren, bevor ein Festspeichersystem ausgelegt wird.

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